Wieso engagiert man sich? Was erwarten junge Engagierte heute von einem Verein – und was brauchte es vor zehn Jahren noch gar nicht? Welche Rolle können deutsch-französische Initiativen in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung spielen?
Diese und weitere Fragen standen im Mittelpunkt unserer digitalen Paneldiskussion am 17. April zum Thema „Neue Stimmen der Jugend & Engagement“. Die Veranstaltung markierte zugleich den Auftakt der Feierlichkeiten zum 10-jährigen Jubiläum des DFJA – und sie hat eines deutlich gezeigt: Engagement im deutsch-französischen Kontext ist auch heute noch ein starker Hebel für die Demokratie und trägt nachhaltig zum gesellschaftlichen Zusammenhalt bei. Gleichzeitig müssen wir uns neuen Herausforderungen stellen und aktiv hinterfragen, welche Formen des Engagements heute noch zeitgemäß sind – wie können wir deutsch-französisches Ehrenamt neudenken?
Zu Gast waren Benjamin Kurc (Gründungsmitglied des DFJA und Leiter des Deutsch-Französischen Bürgerfonds), Esther Mangani (Vorstandsmitglied und Referentin für Kommunikation), Betty Ngoto-Boll (aktives Mitglied im Schulprojekt und Lehrbeauftragte für die deutsche Sprache an Universitäten) sowie Jonathan Spindler (Geschäftsführer des Partnerschaftsverbands Rheinland-Pfalz / 4er-Netzwerk e.V.).
Nach einem kurzen Einstieg in die Gründungsgeschichte des DFJA führte die Diskussion von Fragen zur persönlichen Motivation über Nachwuchsgewinnung und die Vereinbarkeit von Ehrenamt mit anderen Verpflichtungen bis hin zur politischen Rolle von Vereinen in polarisierten Zeiten – und schließlich zum Blick in die Zukunft des Engagements.
Unsere wichtigsten Erkenntnisse:
• Ehrenamt bedeutet, der Gemeinschaft etwas zurückzugeben – und dabei Freude zu empfinden. Eine wichtige Erkenntnis in Zeiten, in denen das Gefühl gesellschaftlichen Rückzugs und individueller Abschottung zunimmt.
• Bürokratie tötet Engagement. Es braucht schlankere Prozesse und weniger regulatorischen Aufwand, damit freiwilliges Engagement lebendig bleibt.
• Das klassische Modell des jahrzehntelangen Vereinsengagements verliert an Zugkraft – nicht weil junge Menschen weniger bereit wären, sich einzusetzen, sondern weil sie anders einsteigen wollen: mit klar definierten Projekten, messbaren Zielen und einem realistischen Bild davon, was ihr Einsatz bedeutet. Wer von Anfang an ehrlich kommuniziert, wie viel Zeit investiert wird, schafft die Grundlage für Zusagen, die auch eingehalten werden.• Schnelle Einbindung ist entscheidend. Nichts schreckt mehr ab, als in einen neuen Verein zu kommen und sich alleingelassen zu fühlen. Klare Ansprechpersonen und früh übertragene Aufgaben erleichtern die Eingewöhnung und fördern langfristiges Engagement.
• Die junge Generation darf nicht die Last tragen, alles Bestehende zu konservieren. Formate und Initiativen dürfen – und sollten – neu gedacht werden, um sich an die Bedürfnisse und Ziele der heutigen Zeit anzupassen.
• Engagement hat eine integrative Dimension. Es ermöglicht Menschen, mit verschiedensten gesellschaftlichen Gruppen und Milieus in echten Austausch zu treten.
Moderiert wurde die 90-minütige Veranstaltung zweisprachig – auf Deutsch und Französisch – von Maia und Noëlyn.
Wir danken unseren Panelist*innen herzlich für ihre offenen Perspektiven und wertvollen Einblicke. Auf den zweiten Jubiläumstalk im dritten Quartal freuen wir uns bereits – weitere Informationen folgen in Kürze.
