Rückblick auf das Visionstreffen 2025

Vom 20. bis zum 22. November fand das zweite Visionstreffen des DFJA im European Youth Centre in Straßburg statt. Unter dem Motto “Franco-allemand? C’est nous!” kamen insgesamt 39 Teilnehmende, neben zahlreichen Vereinsmitgliedern auch einige neue Gesichter, zusammen und entwickelten gemeinsam deutsch-französische sowie europäische Projektideen – darunter auch eine Charta für Diversität und Inklusion.  

Die Flamme des Franco-Allemands 

Nach der offiziellen Begrüßung der Teilnehmenden durch die Projektleitung der Veranstaltung, Jonas Haaß und Anna Eggeling, und der Vorstellung des Programms, reflektierte die Gruppe im Rahmen einer interaktiven Übung zunächst ihre Erwartungen, Wünsche und Motivation in Bezug auf das Visionstreffen. In einem zweiten Schritt tauschten sich die Teilnehmenden über ihre aktuelle Vision für das Franco-Allemand aus. Dabei hat sich vor allem herauskristallisiert, dass sich die Teilnehmenden eine dynamische, einzigartige Beziehung für Deutschland und Frankreich wünschen, zum Beispiel durch mehr Jugendarbeit auf lokaler Ebene, Zusammenarbeit und Angleichungen im administrativen Bereich und durch niedrigschwellige Angebote für Städtepartnerschaften. 

Im Anschluss war Annette Gerlach, Journalistin und Moderatorin bei ARTE, zu Gast für einen eineinhalbstündigen Austausch. Im Vordergrund standen dabei insbesondere ihr inspirierender Werdegang im Franco-Allemand, Interkulturalität und Identität, Mehrsprachigkeit sowie die Rolle und Verantwortung des Journalismus im aktuellen politischen Klima in Europa. Annette Gerlach ist Gründerin des Think Tanks “La flamme”, der sprichwörtlich die “Deutsch-Französische Flamme” stärken möchte. Alle weiteren Informationen zu diesem Projekt gibt es ab Januar auf Instagram unter @la_die_flamme. 

Nach einem gemeinsamen Abendessen nutzte ein Teil der Gruppe den freien Abend für einen Besuch der von Marine Bachelot Nguyen geschriebenen und inszenierten Aufführung „Boat People“ im Théâtre national de Strasbourg. Das Stück erzählt die Geschichte der Menschen, nach dem Ende des Vietnamkriegs 1975 aus Kambodscha, Loas und Vietnam geflüchtet sind. In ihren Herkunftsländern politischer Verfolgung und wirtschaftlichen Notlagen ausgesetzt, führte sie die Hoffnung auf ein besseres Leben auf eine Irrfahrt in überfüllten Booten, ausgestattet ohne ausreichende Ressourcen. Das Theaterstück gibt den Betroffenen eine Stimme und hinterfragt die damalige humanitäre Hilfe.  

Zwischen Workshops und Plenarsaal – auf der Suche nach konkreten Ideen für die DFJA-Vereinsarbeit 

Am zweiten Tag des Treffens standen vor allem die Entwicklung eigener Ideen zur Zukunft des Deutsch-Französischen in Europa und zur europäischen grenzüberschreitenden Vereinsarbeit sowie die Arbeit an einer Charta für Diversität und Inklusivität im Verein im Mittelpunkt. In zwei Workshopphasen – eine am Vormittag und die zweite am Nachmittag – erarbeiteten die Teilnehmenden in gemischten Gruppen diverse kreative Vorschläge. 

Die Teilnehmenden des ersten Workshops befassten sich mit dem Weimarer Dreieck und der Zukunft des Franco-Allemands in einem europäischen Kontext. Ziel des Workshops war es, konkrete Projektideen mit kulturellem, politischem und überparteilichem Charakter für die künftige Vereinsarbeit und eine Stärkung der Einbindung des Partners Polen zu entwickeln. Nach einem Impulsvortrag von Prof. Dr. Andreas Marchetti, arbeiteten die Teilnehmenden in Kleingruppen auf einer Basis gemeinsamer Zielvorstellungen für die zukünftige Entwicklung. Dabei entstanden zahlreiche kreative Projekte, von einem trinationalen Interrail über Postcastfolgen mit polnischen Gästen bis hin zu einem kulturellen Märchenprojekt, bei dem jeweils Kinder des anderen Landes die Stücke in ihrer Muttersprache aufführen. 

Der zweite Workshop zielte darauf ab, den ersten Entwurf einer Charta für Diversität und Inklusion im DFJA zu erstellen. Im Anschluss an einen theoretischen Input zum Thema Diversität und Inklusion reflektierten die Teilnehmenden zunächst über die aktuellen Hindernisse im Verein und mögliche Lösungsansätze. Danach folgte ein Brainstorming zu den Werten, die unser Verein vertreten möchte. Neben Anti-Diskriminierung, Transparenz und Solidarität, identifizierten die Teilnehmenden unter anderem Mut, Konfliktfähigkeit, Lernbereitschaft, Neugier und Respekt als zentrale Werte des DFJA. Auf Basis dieser Werte setzten die beiden Gruppen kollektiv eine deutsch-französische Charta auf. Diese soll planmäßig im Laufe des neuen Vereinsjahres finalisiert und auf der Mitgliederversammlung 2026 als Leitbild zur Abstimmung gestellt werden. 

Im dritten Workshop ging es um grenzüberschreitende und europäische Vereinsarbeit. Nachdem die Teilnehmenden zunächst ihren Bezug zu Europa und ihre bisherigen Erfahrungen mit internationalen Projekten geteilt hatten, stellten drei Ehrenamtliche und eine Freiwillige des Mouvement Européen und der Jeunes européens Strasbourg ihre europäische Arbeit vor. Die Gäst*innen blieben der Gruppe für die nächste Phase, der eigenen Projektentwicklung in Kleingruppen, als Expert*innen erhalten. Aus dem Atelier gingen innovative Ideen aus den Bereichen Literatur, Manga, Stammtisch, Interrail, Umwelt und Spiele hervor. Beim Projekt “Interrail for Youth”, beschäftigen sich Jugendliche zwischen 12 und 18 Jahren mit europäischen Werten und entdecken über ein Jahr hinweg verschiedene europäische Städte mit dem Zug. Im Rahmen des Projekts “Histoire sous les étoiles“, das insbesondere deutsch- und französischsprachige Familien ansprechen soll, werden Kindergeschichten auf deutsch und französisch in einem Planetarium vorgelesen und anschließend ein gemeinsamer “Goûter” eingenommen.  

Alle Workshopergebnisse sind in Handreichungen festgehalten, die hier heruntergeladen werden können. 

Nach der ersten theoretischen Workshop-Phase am Vormittag stand der Nachmittag mit einem Besuch des Europäischen Parlaments ganz im Zeichen der realen EU-Politik. Bei einer Führung durch das imposante Gebäude erklärte ein Guide unter anderem architektonische Besonderheiten, die Sitzverteilung im Plenarsaal und dass die Flaggen der EU-Mitgliedsstaaten für offizielle Fotos in alphabetischer Reihenfolge nach dem Landesnamen auf der jeweiligen Sprache aufgestellt wurden. Dies soll eine Ungleichbehandlung der Mitgliedstaaten verhindern. Nach diesem spannenden Eindruck von der Arbeit im Europäischen Parlament ging es auf den Weg zurück in das European Youth Centre. In einer letzten Arbeitsphase des Tages teilten sich die Teilnehmenden unter den Workshops des Vormittags neu auf und hatten somit die Möglichkeit, eine zweite Thematik zu behandeln. 

Den Tag ließ die DFJA-Truppe mit einem geselligen Abend in der Jugendherberge ausklingen, wobei natürlich eine Runde Uno und Just Dance-Einheiten nicht fehlen durften. 

10 Jahre DFJA: Zum Abschluss geht der Blick nach vorne 

Der dritte und letzte Tag des Visionstreffens begann mit der Vorstellung der Workshop-Ergebnisse des Vortages.  

Zum Abschluss galt der Blick noch der Zukunft. In Kleingruppen überlegten die Teilnehmenden, wie der DFJA sein zehnjähriges Jubiläum im nächsten Jahr gebührend feiern könnte. Zahlreiche tolle Ideen sind dabei entstanden – von einem Imagefilm, über vereinseigenem Merch und ein Journal bis hin zu einen Staffellauf zum Gründungsort des DFJA. Du hast auch eine Idee, wie das DFJA-Jubiläum gestaltet werden könnte? Dann kontaktiere gerne an Nicolas oder Alexandra

Nach dem offiziellen Ende und einer kurzen Kaffeepause schloss sich die diesjährige Mitgliederversammlung an das Event an. 

Die Veranstaltung fand vollständig zweisprachig statt und wurde vom Organisationsteam übersetzt. Zusätzlich förderten tägliche Sprachanimationen den Fremdsprachenerwerb und den kulturellen Austausch. 

Der DFJA bedankt sich herzlich bei den zwei Fördergebern der Veranstaltung: dem Deutsch-Französischen Bürgerfonds und der Deutsch-Französischen Kulturstiftung

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